Spezialfälle

Messie-Syndrom

Auch: Pathologisches Horten · Hoarding Disorder · Vermüllungssyndrom

Das Messie-Syndrom, fachlich pathologisches Horten, ist eine anerkannte psychische Störung, bei der Betroffene Gegenstände anhäufen und sich nicht von ihnen trennen können. Eine Räumung ohne begleitende Hilfe führt in der Regel innert kurzer Zeit zum Rückfall.

Was dahintersteckt

Pathologisches Horten ist seit 2013 als eigenständige Störung klassifiziert. Betroffene erleben beim Wegwerfen echten Stress und Verlustangst. Es geht nicht um Faulheit oder Unordentlichkeit, sondern um eine Erkrankung, die häufig mit Depression, Angststörungen, Zwangsstörungen oder einer Traumafolge zusammenhängt.

Häufig gibt es einen Auslöser: ein Todesfall, eine Trennung, eine Kündigung, eine Erkrankung. Das Anhäufen beginnt schleichend und wird über Jahre zur Normalität, während sich Betroffene zunehmend sozial zurückziehen – auch aus Scham über den Zustand der Wohnung.

Warum Räumen allein nicht hilft

Eine Räumung beseitigt das Symptom, nicht die Ursache. Ohne begleitende therapeutische Unterstützung füllt sich die Wohnung erfahrungsgemäss innert Monaten wieder. Studien zu Rückfallquoten nach reinen Zwangsräumungen zeigen sehr hohe Werte.

Deutlich besser wirkt ein Vorgehen, bei dem die betroffene Person einbezogen wird: Sie entscheidet mit, in welcher Reihenfolge geräumt wird, was bleibt, und in welchem Tempo. Das dauert länger und ist anspruchsvoller – hält aber viel eher.

Wie wir damit umgehen

Wir arbeiten ohne Wertung und ohne Druck. Wenn die betroffene Person anwesend ist und mitentscheiden möchte, richten wir uns danach. Wir fragen nach, bevor wir etwas wegwerfen, das persönlich sein könnte. Und wir sprechen nicht über den Zustand der Wohnung – weder mit Nachbarn noch im Treppenhaus.

Wo es angezeigt ist, weisen wir auf Beratungsstellen hin. Die Entscheidung, Hilfe anzunehmen, liegt bei der betroffenen Person; aufdrängen lässt sie sich nicht.

Beispiel aus der Praxis

Eine Wohnung in Opfikon wird auf Wunsch der Bewohnerin geräumt, nachdem die Verwaltung mit einer Kündigung gedroht hat. Die Bewohnerin ist anwesend und entscheidet raumweise mit. Wir arbeiten an drei halben Tagen statt an einem ganzen, damit sie Pausen hat. Kartons mit Fotos und Briefen bleiben ungeöffnet und werden in eine Kiste sortiert. Die Wohnung wird geräumt, die Kündigung abgewendet, und die Bewohnerin nimmt Kontakt zu einer Beratungsstelle auf.

Häufige Fragen zu Messie-Syndrom

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